”First Thoughts are the everyday thoughts. Everyone has those. Second Thoughts are the thoughts you think about the way you think. People who enjoy thinking have those. Third Thoughts are thoughts that watch the world and think all by themselves. They’re rare, and often troublesome. Listening to them is part of witchcraft.” - Terry Pratchett, A Hat full of SkyHexen gehören zu den wenigen Spezies, die dazu in der Lage sind, ihre eigene Resonanz und die der Welt um sich herum zu manipulieren. Neben ihnen können das in vergleichbarer Form lediglich Dämonen, Djinn und einige Fae. Hexen sind mit der Welt und ihren Energien zutiefst verbunden und das Ergebnis dieser Verbundenheit ist wortwörtlich magisch.
Hexen sind, da hatte Kramer immerhin Recht, vorwiegend weiblich. Oder, für diejenigen unter uns, die Zahlen mögen: Bei fast siebenundachtzig Prozent der Hexenpopulation handelt es sich um Frauen. Das liegt nicht daran, dass männliche Hexen nicht geboren werden, tatsächlich machen sie in dieser Altersgruppe noch rund die Hälfte der Kinder aus, aber die Magie scheint für Männer nicht geschaffen - oder andersrum scheint der Mann nicht für die Magie geschaffen. Bei den Hexen sagt man sich, der männliche Geist sei zu schwach und deswegen brennen die meisten von ihnen wortwörtlich aus, noch bevor sie fünfundzwanzig sind.Ubi multae feminae, multae veneficae.
Malleus Maleficarum, Kramer und Sprenger, 1484
Männliche Hexen und Stellung des Mannes
Wird einer Hexe ein Junge geboren, dann ist das kein Grund zur Freude. Auch heute noch legen bekümmerte Hebammen das Kind in die Arme der weinenden Mutter, die sich den neuen Erdenbürger an die Brust drückt und klagt, dass ihre heidnischen Göttinnen sie mit einem Jungen statt einem Mädchen beschenken. Der Junge wird mit Mädchen großgezogen, aber niemand ist sonderlich darauf bedacht, ihm eine vernünftige Ausbildung in der Hexenkunst zu gewähren. Wir warten, ob er ausbrennt, sagt man dann, wenn jemand das beklagenswerte Schicksal des Kleinen, nun, beklagt. Es lohnt nicht, wenn du nicht weißt, ob er es überhaupt bis Mitte zwanzig schafft. Wir investieren nicht in männliches Potenzial. Schafft er es und hat zufällig noch eine gute Ausbildung erhalten, so lebt der junge Mann aber auch den Rest seines Lebens abseits von der Gesellschaft, in die er hineingeboren wurde. Kein Coven in Europa würde eine männliche Hexe aufnehmen. Die großen Häuser, im Allgemeinen elitär und akademisch, nehmen zwar Männer auf, dort kommt aber auch nur eine weibliche Hexe rein, wenn sie über tadellose Abstammung (über die weibliche Linie) und großes Talent verfügt, sofern sie nicht zufällig hineingeboren wurde.
Bei Hexen wird also grundsätzlich das generische Femininum angewendet, aber keine Sorge: Männer sind mitgemeint! Im hexerischen Wortschatz existiert das Maskulinum Hexer nicht und Versuche von männlichen Hexen, das zu ändern, sind bislang im Sande verlaufen. Auch Alternativnamen, wie Zauberer oder Magier für Otto Normalhexe® werden lediglich belächelt, aber nicht wirklich implementiert, auch, weil in den großen Hexenhäusern Europas die Titel Zauberin und Magierin an die ranghöchsten oder mächtigsten Hexen vergeben werden.
Aber auch generell sind Männer in der Hexengesellschaft eher ein Nachsatz, eine Fußnote. Männer sind nützlich für die Fortpflanzung, das gesteht man ihnen zu, aber darüber hinaus werden sie als überflüssig angesehen. Selbst in ihren Stammbäumen sind Männer entweder gar nicht aufgeführt oder nur als Fußnote: Stammbäume werden über die weibliche Linie geführt.
Entstehung
Wahre Hexen werden geboren und prozentual machen die wahren Hexen rund neunzig Prozent der Gesamtpopulation aus.
Wenn du mutig genug bist und über die Ressourcen verfügst, dann kannst du auch den Alternativweg wählen: Einen Pakt mit einem Dämon. Ist halt blöd, denn dann gehört dem deine Seele, wenn du stirbst und das ist wahrlich nichts, auf das man sich freuen kann. Natürlich kannst du, rein theoretisch, deine Lebensspanne künstlich verlängern, wie es auch die geborenen Hexen machen, aber das ist auch nur gekaufte Zeit, denn irgendwann kriegen sie dich doch.
Lebensspanne
Hexen sind, mal rein grundsätzlich, erstmal sterblich. Sie altern normal und sterben wie gewöhnliche Menschen. Das ist die schlechte Nachricht für alle, die gern unsterblich sein wollen, weil es sie interessiert, wie sehr es die Menschheit in den kommenden Jahrhunderten noch so verkackt. Die gute Nachricht: Hexen können aktiv etwas dagegen tun, zumindest wenn sie skrupellos genug sind. Durch sorgfältig ausgewählte Menschenopfer können sie nämlich die verbliebene Lebenszeit anderer Menschen stehlen und sich so in regelmäßigen Abständen wieder verjüngen. Im Gegensatz zu Vampiren ist es Hexen dadurch möglich, jahrelang unerkannt unter Menschen zu leben: Sie altern einfach mit, ziehen irgendwann um und verjüngen sich. Sie können diese Art von Magie auch zum Vorteil anderer Leute anwenden, inklusive Werwesen.
Der Ritus
Das Problem ist natürlich, dass das Ritual für etwas so Dunkles und Boshaftes viel zu einfach ist. Fünf Kerzen, ein Pentagramm im Boden, ein bisschen Skandieren, ein unbenutztes heiliges Messer und ein paar geweihte Glasflaschen, die die blass-leuchtende Lebensenergie halten, nachdem man sie mit dem Blut aus dem sterbenden Körper extrahiert hat, mehr braucht man nicht. Das Schwierigste ist der Schnitt, der geübt sein will und so gesetzt werden muss, dass das bemitleidenswerte Opfer zwar ausblutet, dies aber langsam genug tut, dass das entweichende Leben bequem in Flaschen gesammelt werden kann. Mit Kindern funktioniert es besser: Ihre Lebensenergie ist unschuldig und damit zwar nicht stärker, aber gehorsam, gefällig und viel leichter formbar. Oft begreifen sie bis zum Schluss nicht, was mit ihnen passiert und je friedlicher sie sterben, desto angenehmer ist später der Konsum, der andernfalls für einige Stunden bis Tage in den Adern brennt und die Hexe in schlimmsten Fällen durchaus einige Zeit lang außer Gefecht setzen kann. Ein schwacher Trost: Nur die bösartigsten Hexen würden auf Kinder zurückgreifen. Hexen, die ihre Opfer auf einem Altar ernten, tun dies eigentlich nur für das gewisse Extra. In der (noch dunkleren) Vergangenheit dieses Rituals waren außerdem ritueller Geschlechtsverkehr und/oder Kannibalismus Teil des Ablaufes, aber davon sind moderne Hexen mittlerweile ab.
Wichtig ist, dass das gewählte Opfer ein Mensch oder eine andere Hexe ist. Tieropfer funktionieren übrigens nicht und auch von Werwesen und Vampiren sollte man die Fingerchen lassen, sofern man sich nicht in einen verwandeln (Werwesen) oder unter schrecklichen Schmerzen sterben (Vampir) will. Im achtzehnten Jahrhundert gab es einige Fälle von Hexen, die sich unter schrecklichen Schmerzen in Werwölfe verwandelten, nachdem sie versehentlich das Lebenselixier von einem geopferten Werwolf zu sich nahmen.
Ethik
Hexen und Ethik, das ist so eine Sache. Grundsätzlich: Ja, es gibt sie, die durchweg guten Hexen. Diejenigen, die niemals die Lebensenergie eines Menschen stehlen und sie für sich selbst nutzen würden, selbst wenn es sich bei dem Opfer um einen verurteilten Kriminellen handelt. Die guten Kräuterhexen und freundlichen Zauberinnen, die Menschen helfen und für die Selbstsucht ein Fremdwort ist. Aber sie sind eine aussterbende Art - wortwörtlich. Da Hexen sterblich sind und genauso schnell altern wie ein normaler Mensch, haben diese Hexen im Vergleich keine hohe Lebenserwartung, ihre Ideale leben also in ihren Töchtern weiter und nicht selten stellen diese, auch unter Einfluss von anderen Hexen, die das mit der Ethik alles nicht so genau nehmen, fest, dass das mit dem Älterwerden doch eine ziemlich nervige Angelegenheit ist.
Schwächen
Trotz ihrer mannigfaltigen Fähigkeiten sind Hexen immer noch eines: Menschlich. Dementsprechend haben sie natürlich erstmal dieselben Schwächen, wie sie auch normale Menschen haben: Sie können nicht schneller rennen oder mehr Gewicht heben, nur weil sie Hexen sind. Sie sind nicht auf magische Weise immun gegen diverse Gifte (auch wenn es natürlich Tränke gibt, die zumindest temporäre Immunität bewirken können). Sofern sie ihre Alterung mithilfe von Zaubern nicht umkehren, werden sie älter und müssen sich mit den typischen altersbedingten Gebrechen herumschlagen.
Vampire und Werwölfe sind ihre größte Bedrohung. Ein Vampir kann sich schneller bewegen, als die Hexe zaubern kann und sofern sie sich nicht vorher schon durch gewisse Zauber schützt, ist sie ihm ausgeliefert. Die größte Gefahr geht hier also von Überraschungsangriffen aus. Ist die Hexe vorbereitet, sieht die Sache schon anders aus und gerade alte, erfahrene Hexen können auch für einen Vampir sehr unangenehm werden. Er wird vermutlich trotzdem gewinnen, aber um welchen Preis?
Zudem können Hexen nur Macht über etwas ausüben, wenn sie es ansehen: Sie sind beispielsweise dazu in der Lage einen erwachsenen Mann mit einem einfachen Hirnaneurysma in kürzester Zeit zu töten, oder sein Herz am Schlagen hindern, aber sie müssen ihn dabei im Blick haben, sonst funktioniert es nicht. Für Zauber, die aus der Entfernung wirken sollen, müssen sie teilweise aufwendige Rituale durchführen.
Hexen sind zudem extrem abergläubisch, so weit, dass es manchmal ein bisschen lachhaft ist: Sie nehmen das mit der Vorsehung und dem ganzen anderen Firlefanz im Allgemeinen sehr ernst. Nicht immer steht eine höhere Macht hinter etwas, das einem widerfährt. Nicht immer heißt ein spontaner Heißhunger auf Pfirsiche, dass der örtliche Tesco der Ort ist, an dem das Universum die Hexe heute gern hätte.
- Hexen glauben, dass Eulen Geheimnisse stehlen. Sie sprechen also niemals über geheime Dinge, wenn in der Nähe eine Eule zuhört.
- Gleichzeitig behandeln Hexen Eulen immer mit dem höchsten Respekt. Warum? Richtig: Bringt Unglück, wenn man es nicht tut.
- Coven dürfen nicht aus einer geraden Anzahl an Hexen bestehen, das bringt Unglück. Besser noch sollte ein Coven entweder drei, sieben oder dreizehn Mitgliederinnen haben, das bringt Glück.
- In der Nacht vor großen Zaubern stellen sie Schälchen mit Essen vor die Tür, “für die Geister”. Das soll sie gefällig stimmen und sie dazu veranlassen, das Ritual nicht zu stören.
- Krähenschwärmen sollte man Futter anbieten. Die Gunst von Rabenkrähen hat bei Hexen große Bedeutung und von den Tieren gebrachte Geschenke sollten in Ehren gehalten werden.
- Die Namen der Toten an den Orten zu sagen, an denen sie gestorben sind, ist ein schlechtes Omen. Man sollte nicht die in ihrer Ruhe stören, die schon lange von uns gegangen sind.
- Singt eine Amsel nur für eine Hexe, sollte sie sich schnell schöne Unterwäsche kaufen, denn ein (neuer) Liebhaber oder eine Liebhaberin ist auf den Weg zu ihr.
- Findet eine Hexe eine alte, zerrupfte Blaumeise, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten hat, in ihrem Garten vor, sollte sie ihr einen Kuss zuwerfen. Das verlängert das Leben der Blaumeise um ein weiteres Jahr.
- Regelmäßige Rotkehlchen-Besuche im Garten bringen Glück. Verirrt sich eins ins Haus, sind traurige Nachrichten oder sogar der Tod unterwegs.
- Eine Hexe sollte immer zusammen mit ihrem Familiar begraben werden. Angeblich kommt sie sonst als Geist zurück und sucht noch in ihrem Tod nach ihrem Gefährten.
Während der Hexenverfolgung wurden magiehemmende Handschellen ausgesprochen nützlich. Hierbei handelt es sich um Fesseln aus einer Eisen-Silber-Legierung, in die magische Runen geritzt wurden und die Hexe von ihrer Magie abschneiden. Diese Wirkung ist nicht von Dauer und nach einer gewissen Zeit kriecht die Magie wieder zurück, wie lange das dauert, ist allerdings individuell. Auch wenn sie nach einer Weile wieder Zugriff auf Teile ihrer magischen Kräfte hat, so ist es trotzdem für eine Hexe ungesund, diese Handschellen über einen zu langen Zeitraum zu tragen: Mit der Zeit hinterlassen sie blaue Flecken an den Stellen, an denen sie aufliegen und im schlimmsten Fall, wenn sie rund vier Monate getragen werden, beginnt die Haut an zu faulen und abzusterben.
Aberglauben 101: Hexenversion
Bund mit dem Teufel
Hexen sind keine Klosterschülerinnen. Sie sind moralisch definitiv weit von den baumkuschelnden Wicca entfernt: Dunkle Rituale in kerzenbeleuchteten Hinterzimmern, ekstatische Tänze auf Waldlichtungen bei Vollmond, die nackten Körper mit Zeichen aus Tierblut bemalt, Verführung eines Priesters, einfach nur weil ihr gerade langweilig war. Die wenigsten Hexen gehen allerdings einen wahrhaftigen Pakt mit dem Teufel ein. Girls just wanna have fun - aber nicht zum Preis ihrer Seele.
Schwarze Katzen
Eine Umfrage der Witch Weekly im Jahr 2023 hat ergeben: Schwarze Katzen sind unter Hexen immer noch die beliebtesten Haustiere. Sie sind auch die häufigsten Familiare, der Aberglaube kommt also nicht von irgendwoher. Katzenhaare sind auch bei manchen Zaubern von Bedeutung, daher ist das Halten von mindestens einer Katze ein absoluter Selbstläufer.
Besen
Früher waren Besen tatsächlich relevant, heute, vor allem angesichts moderner Fortbewegungsmöglichkeiten, sucht man sich bequemere Transportmittel. Setz du dich mal mehrere Stunden auf einen dünnen Besenstiel, wir wollen mal sehen, wie es dir danach geht!
Berühmt und berüchtigt
- Circe
Berühmte Koryphäe der Verwandlung. Gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Einige denken, sie ist verstorben, wer aber Circe zu Lebzeiten kennengelernt hat, weiß: Die alte Zauberin ist nicht totzukriegen. - Morgana (Morgan le Fay)
Koryphäe der Heilmagie. Gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt, möglicherweise tot. Sie ist Namensgeberin der Schule für Heilkunst in Irland. - Pernelle Flamel und ihr Mann Nicolas
Alchemisten, verstorben. - Aleister Crowley
Schwarzmagische Hexe, verstorben. - Austin Osman Spare
Englische Hexe, Koryphäe auf dem Gebiet der Sigillen- und Sexualmagie. Formte das Sigil House mit, wurde nach persönlichen Streitigkeiten aber daraus entlassen und gründete später Zos Kia Cultus (mittlerweile irrelevant). Großer Künstler, beschissener Autor: War in seinen Schriften nicht um Verständlichkeit bemüht. Verstorben. - Elise van Hoeven
Niederländische Hexe, die sich vor allem bei jungen Hexen beliebt gemacht hat. Sie nahm nämlich die Schriften von Austin Osman Spare und schrieb auf deren Basis ein Lehrbuch, das wesentlich leichter verständlich ist, als das Original. Ihr Werk Sigillen für die Anfängerin ist bis heute Bestandteil jeder Hexenausbildung. Lebendig. - Maria de Naglowska
Russische Hexe und Satanistin, verstorben. Ihre Schriften zur Sexmagie sind nach wie vor Teil der Ausbildung junger Hexen, sie werden allerdings als überholt angesehen. Sie erfuhr aus der Hexenzunft viel Kritik, da de Naglowska die Frauen beim Akt in die passive Rolle zwang und ihnen das Vergnügen absprach:
“Nor will one admit, since this is opposed to the easy pleasure of the perverse man, that the male principle brings death to the female principle, each time that a man teaches a woman how to take pleasure there where she should remain ever passive and unknowing
For joy belongs to the sun and it is proper to the sun, while the mysterious mount of the woman is essentially lunar, and, like the moon, it should remain cold and mute.
The vibrations of the woman, at the moment of the act of love, should give her happiness and not localized pleasure, for the pleasure belongs to the man and not to the woman.” - Advanced Sex Magic, Kap. 8: The Priestesses of Love