Strenggenommen ist ein Familiar kein echtes Tier, zumindest nicht im wörtlichen Sinne, sondern eine Personifizierung der Magie der Hexe. Er materialisiert sich in der Regel zwischen zehn und zwanzig Jahren, aber es gibt auch Berichte von Hexen, die ihren Familiar vor dem zehnten Lebensjahr bekommen haben und auch von welchen, die mit fünfundzwanzig noch immer keinen Familiar hatten. Männliche Hexen bekommen ihren Familiar für gewöhnlich später als weibliche, der Grund dahinter ist allerdings nicht erforscht; es wird allgemeinhin angenommen, dass ein Familiar sich erst materialisiert, wenn sicher ist, dass die Hexe nicht ausbrennt.
Nicht alle Hexen haben einen Familiar. Diejenigen, die ihre magischen Kräfte durch einen Dämon bekommen haben, besitzen in der Regel keinen solchen Begleiter, können sich aber durch einen weiteren Deal mit einem Dämon einen beschaffen. Der Dämon Valefor kann beschworen werden und bei einem anderen Zauber als Familiarersatz fungieren. Wenn man an einer langfristigen Lösung interessiert ist, kann alternativ auch Purson, Buer, Marax oder einen anderen Dämon, der gute Familiare gibt, angerufen werden.
Fähigkeiten
Ein Familiar ist kein gewöhnliches Haustier. Er begleitet die Hexe ihr ganzes Leben lang und fungiert dabei als Gesellschaft, Gehilfe und Behüter. Es gibt Zauber, die ohne ihn gar nicht möglich sind und Zauber, die durch seine Anwesenheit wesentlich erleichtert werden. Darüber hinaus hat ein Familiar noch zahlreiche andere Fähigkeiten:
Sprechen
Wie es funktioniert, weiß niemand so genau, aber Familiare sind der menschlichen Sprache mächtig, wobei sie alle Sprachen beherrschen, die auch ihre Hexe sprechen kann - teilweise sogar besser als die Hexe selbst. Nicht jeder Familiar ist allerdings im gleichen Maße kommunikativ: Wie mitteilungsbedürftig er ist, hängt in hohem Maße von der Tierart ab, deren Gestalt er angenommen hat, die ihrerseits vom Charakter der Hexe abhängig ist.
Faustregel: Je sozialer das echte Tier, desto kommunikativer der Familiar. Rabenvögel und Hunde sind beispielsweise wahre Plaudertaschen, Kröten, Raubvögel, Spinnen und Schlangen dagegen am wenigsten gesprächig. Katzen: Stark individuell. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und es gab auch schon wortkarge Raben und plappernde Spinnen.
Zauberverstärkung
Ein Familiar ist reine Magie und ist daher mit ihr tief verbunden. Infolgedessen ist er dazu in der Lage, mit seiner energetischen Macht die Zauber seiner Hexe zu verstärken. Manche Familiare sind zu gewissen Tageszeiten sogar stärker. Ein Familiar, der die Gestalt eines nachtaktiven Tieres angenommen hat, beispielsweise ein Uhu, ist in den Nachtstunden stärker. Ein Familiar, der die Gestalt eines tagaktiven Tieres angenommen hat, beispielsweise ein Falke, ist tagsüber stärker.
Resilienz
Familiare können mehr einstecken, als normale Tiere es tun, und sie sind dahingehend sogar widerstandsfähiger als ihre Hexen. Es sind schon Familiare von einem angreifenden Vampir in eine Wand geworfen worden und sie haben sich wieder aufgerappelt, kurz geschüttelt und ihn dann wieder angegriffen. Außerdem ist er im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich. Grundsätzlich gilt: Ein Familiar kann zwar außer Gefecht gesetzt, aber nicht getötet werden. Er stirbt erst, wenn die Hexe stirbt.
Transferenz
Die praktischste Fähigkeit ist das, was Hexen als Transferenz bezeichnen: Eine Hexe kann in den Körper ihres Familiars transferieren, mit ihm an einen anderen Ort reisen und dort wieder aus ihm heraustreten. Hexen mit einem besonderen Hang zur Dramatik haben dies in der Vergangenheit genutzt, um eindrucksvoll wie aus dem Nichts irgendwo aufzutauchen. Vögel sind hier natürlich ganz besonders praktisch, da sie weite Strecken in kurzer Zeit zurücklegen können.
Unsichtbarkeit
Besonders gewiefte, oder einfach nur neugierige Hexen senden ihre Familiare häufig aus, um ihre Mitmenschen auszuspionieren. Das ist für einen Familiar die leichteste Übung, kann er sich doch problemlos unsichtbar machen und so unerkannt den Leuten folgen. Er wird nur gesehen, wenn er will, dass man ihn sieht und kann dabei wählen zwischen vollständiger oder teilweiser Unsichtbarkeit. Bei vollständiger Unsichtbarkeit sieht ihn niemand, bei teilweiser Unsichtbarkeit ist er für Hexen mithilfe der Hexensicht noch zu erkennen. Achtung: Auch bei vollständiger Unsichtbarkeit können Hexen mithilfe der Hexensicht noch seine Aura erkennen, auch wenn sie den Familiar selbst nicht sehen können. Ein guter Familiar weiß das und verbirgt sich dementsprechend trotzdem hinter einer Deckung.
Schwächen
Familiare sind von ihrer Hexe abhängig. Das sieht man am drastischsten im Tod; stirbt die Hexe, stirbt auch der Familiar. Ein Familiar übernimmt zwar nicht die Verletzungen seiner Hexe, aber wird der Kontakt zur Magie gebrochen, verschwindet auch der Kontakt zum Familiar und damit der Familiar selbst. Übrigens auch ein Grund, warum die in den Zeiten der Hexenverfolgung so beliebten Handschellen zur Magieunterdrückung so effektiv waren.
Familiare leiden außerdem, durch die Bank weg, an schier grenzenloser Selbstüberschätzung. Liegt wohl daran, dass sie nicht wirklich sterben können und auch generell sehr widerstandsfähig sind. Sich mit einem weitaus größeren Gegner anzulegen ist für den durchschnittlichen Familiar lediglich ein gewöhnlicher Dienstag.
Arten
Einen Überblick über verschiedene Familiare und ihre Fähigkeiten findet ihr hier.